Konfirmand*innen sind unterschiedlich. Sie bringen verschiedene Fähigkeiten, Erfahrungen, Bedürfnisse und Grenzen mit. Diese Vielfalt ist kein Sonderfall, sondern gehört selbstverständlich zur Lebenswirklichkeit junger Menschen und prägt auch die Konfi-Zeit.
Behinderung ist dabei keine Ausnahme, sondern eine von vielen Ausdrucksformen menschlichen Lebens. Sie kann körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbereiche betreffen, sichtbar oder unsichtbar sein, dauerhaft oder zeitweise bestehen. Auch chronische Erkrankungen oder mehrere gleichzeitige Beeinträchtigungen können den Alltag von Konfirmand*innen beeinflussen.
Eine inklusive Konfi-Zeit versteht die Gruppe als einen Raum, in dem alle Jugendlichen dazugehören können. Inklusion bedeutet dabei mehr als individuelle Unterstützung. Sie fragt danach, wie Inhalte, Methoden, Strukturen, Kommunikation und Gruppenkultur so gestaltet werden können, dass Konfirmand*innen mit unterschiedlichen Voraussetzungen selbstverständlich teilnehmen, mitmachen und sich einbringen können.
Die folgenden Abschnitte stellen verschiedene Behinderungsformen, chronische Erkrankungen und Unterstützungsbedarfe vor. Sie zeigen beispielhaft auf, welche Barrieren entstehen können und welche Aspekte bei der Gestaltung einer inklusiven Konfi-Zeit hilfreich sein können. Sie können Orientierung bieten, treffen aber nie auf alle Menschen gleichermaßen zu. Jede Person bringt ihre eigenen Erfahrungen, Stärken, Interessen und Bedürfnisse mit.
Körperliche Beeinträchtigungen können die Beweglichkeit, Ausdauer oder körperliche Belastbarkeit beeinflussen. Sie können angeboren oder erworben sein und sich sehr unterschiedlich äußern. Manche Konfirmand*innen sind auf Hilfsmittel angewiesen, andere erleben Einschränkungen durch Schmerzen, schnelle Erschöpfung oder eingeschränkte Kraft. Nicht alle körperlichen Beeinträchtigungen sind von außen sichtbar, wirken sich aber dennoch auf die Teilnahme an Treffen, Spielen oder Freizeiten aus.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Barrierefreie Zugänge zu Gemeinderäumen und Veranstaltungsorten
Sitz- und Pausenmöglichkeiten während längerer Einheiten
Berücksichtigung körperlicher Einschränkungen bei Spielen, Ausflügen oder Freizeiten
Wege, Räume und Programmpunkte im Vorfeld transparent kommunizieren
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.
→ Selbsthilfe, Beratung und Interessenvertretung für Menschen mit körperlichen Behinderungen
Sinnesbeeinträchtigungen betreffen das Sehen oder Hören. Konfirmand*innen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen nehmen ihre Umgebung anders wahr und nutzen unterschiedliche Formen der Orientierung und Kommunikation. Der Grad der Beeinträchtigung kann sehr unterschiedlich sein. Angepasste Materialien und klare Kommunikationsformen erleichtern das Verstehen und Mitmachen erheblich.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Gut lesbare Materialien mit ausreichend Kontrast
Deutliche Sprache und – wenn nötig – der Einsatz von Mikrofonen
Kombination von mündlichen Erklärungen mit schriftlichen oder visuellen Informationen
Blickkontakt beim Sprechen und deutliche Mundbewegungen (wichtig für Lippenlesen)
Wichtige Informationen nicht nur nebenbei, sondern bewusst und klar platzieren
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
Sehbehinderungen:
Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.
→ Interessenvertretung und Beratung für blinde und sehbehinderte Menschen
Dachverband der ev. Blinden- und Sehbehindertenseelsorge / Übersicht der EKD
→ kirchliche Angebote, Beratung und Vernetzung innerhalb der EKD
Hörbehinderung / Gehörlosigkeit:
Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände e. V.
→ Dachverband für Selbsthilfeorganisationen hörbehinderter Menschen
Gehörlosenseelsorge / Übersicht der EKD
→ Seelsorgeangebote in Gebärdensprache und barrierearme kirchliche Begleitung
Schwerhörigenseelsorge / Übersicht der EKD
→ Unterstützung und Angebote für schwerhörige Menschen im kirchlichen Kontext
Kognitive Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten beeinflussen das Verstehen, Verarbeiten und Behalten von Inhalten. Manche Konfirmand*innen benötigen mehr Zeit, klare Strukturen oder eine andere Form der Ansprache, um sich orientieren und beteiligen zu können. Eine verständliche, übersichtliche und lebensnahe Gestaltung der Konfi-Inhalte unterstützt das Lernen und die Teilhabe.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Klare, wiederkehrende Abläufe in den Treffen
Inhalte in kleinen Einheiten vermitteln und ggf. wiederholen
Einfache, verständliche Sprache statt abstrakter theologischer Begriffe
Methoden, bei denen Mitmachen, Erleben und Ausprobieren im Vordergrund stehen
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
LERNEN FÖRDERN e.V. - Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Lernbedinderungen
→ Unterstützung, Bildung und Interessenvertretung für Menschen mit Lernschwierigkeiten
Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.
→ Unterstützung und Interessenvertretung für Menschen mit geistiger Behinderung und komplexem Unterstützungsbedarf
Psychische Beeinträchtigungen sind häufig nicht sichtbar und können Konzentration, Belastbarkeit, Stimmung oder soziale Teilnahme beeinflussen. Sie verlaufen oft phasenweise und sind für andere nicht immer nachvollziehbar. Eine verlässliche, wertschätzende Atmosphäre hilft Konfirmand*innen, sich sicher zu fühlen und teilzunehmen.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Verlässliche Bezugspersonen und klare Absprachen
Verständnis für schwankende Teilnahme oder den Bedarf an Pausen
Eine Gruppenatmosphäre ohne Leistungs- oder Anpassungsdruck
Freiwilligkeit bei persönlichen Gesprächen oder Vorstellungsrunden
Neurodivergente Konfirmand*innen, zum Beispiel aus dem Autismusspektrum oder mit ADHS, nehmen Reize, Kommunikation und soziale Situationen auf ihre eigene Weise wahr. Geräusche, unklare Abläufe oder spontane Veränderungen können überfordernd sein. Klare Strukturen und transparente Kommunikation unterstützen die Orientierung und Teilnahme.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Klare Informationen zu Ablauf, Dauer und Inhalten der Treffen
Veränderungen frühzeitig ankündigen und möglichst vermeiden
Rückzugsmöglichkeiten bei intensiven oder lauten Phasen
Akzeptanz unterschiedlicher Kommunikations- und Verhaltensweisen
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
→ Selbsthilfe- und Austauschplattform für neurodivergente Menschen
→ Artikel aus Zeit für die Schule
Sprach- und Kommunikationsbeeinträchtigungen können das Sprechen, das Verstehen oder das Formulieren eigener Gedanken betreffen. Manche Konfirmand*innen benötigen mehr Zeit oder alternative Möglichkeiten, um sich mitzuteilen. Kommunikation gelingt dort, wo Geduld, Offenheit und unterschiedliche Ausdrucksformen selbstverständlich sind.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Geduld beim Zuhören und Raum zum Aussprechen
Einsatz von Bildern, Symbolen oder kreativen Ausdrucksformen
Respektvoller Umgang unabhängig von Sprachfähigkeit
Fragen so stellen, dass unterschiedliche Antwortformen möglich sind (z. B. zeigen, schreiben, wählen)
Gruppenarbeiten so gestalten, dass nicht nur Sprechen im Mittelpunkt steht
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V.
→ Unterstützung für Menschen mit Aphasie und ihre Angehörigen
Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V.
→ Selbsthilfe und Vernetzung für Menschen, die stottern
Mutismus Selbsthilfe Deutschland e. V.
→ Beratung und Austausch für Menschen mit Mutismus
Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e. V.
→ Informationen und Angebote zu unterstützter und alternativer Kommunikation
Chronische Erkrankungen begleiten Jugendliche häufig über einen längeren Zeitraum und verlaufen oft wechselhaft. Phasen größerer Stabilität können sich mit Zeiten eingeschränkter Energie oder Konzentration abwechseln. Flexible Strukturen ermöglichen auch bei unregelmäßiger Teilnahme Zugehörigkeit und Beteiligung.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Flexible Teilnahme- und Beteiligungsmöglichkeiten
Verständnis für Fehlzeiten oder eingeschränkte Belastbarkeit
Keine Bewertung von Engagement anhand ständiger Anwesenheit
Möglichkeit, Inhalte oder Termine nachzuholen (z. B. Materialien weitergeben)
Rückzug oder Pausen ohne große Aufmerksamkeit ermöglichen
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
BAG SELBSTHILFE e. V.
→ Dachverband von Selbsthilfeorganisationen für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
→ Selbsthilfe und Beratung für Menschen mit chronisch-rheumatischen Erkrankungen
Deutsche Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e. V.
→ Interessenvertretung und Selbsthilfe für Menschen mit Diabetes
Deutsche Fatigue Gesellschaft e. V.
→ Informationen und Unterstützung bei chronischer Erschöpfung (Fatigue, z. B. bei ME/CFS)
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V.
→ Unterstützung bei der Suche nach passenden Selbsthilfegruppen
Mehrfachbeeinträchtigungen verbinden unterschiedliche Beeinträchtigungen und führen zu komplexen individuellen Bedarfen. Einheitliche Lösungen reichen hier oft nicht aus. Entscheidend ist eine wertschätzende, offene Abstimmung mit den Konfirmand*innen selbst, sowie – wenn sinnvoll – mit Eltern oder Sorgeberechtigten.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Enge Absprachen mit Konfirmand*innen und gegebenenfalls mit Eltern oder Sorgeberechtigten
Angepasste Gruppengrößen oder alternative Methoden
Offenheit für kreative und individuelle Wege der Beteiligung
Zusammenarbeit im Team (Teamer*innen, Eltern, ggf. Assistenz- und Fachpersonen)
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.
→ Unterstützung und Interessenvertretung für Menschen mit geistiger Behinderung und komplexem Unterstützungsbedarf
bvkm – Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V.
→ Beratung, Vernetzung und Interessenvertretung für Menschen mit mehrfachen Behinderungen und ihre Familien
Unsichtbare Erkrankungen sind gesundheitliche Beeinträchtigungen, die für andere nicht unmittelbar erkennbar sind. Dazu zählen zum Beispiel chronische Schmerzen, Erschöpfung (Fatigue), Migräne oder psychische Belastungen. Auch wenn sie nicht sichtbar sind, können sie den Alltag von Konfirmand*innen stark beeinflussen und sich auf Energie, Konzentration und Verlässlichkeit auswirken.
Ein sensibler und respektvoller Umgang sowie die Anerkennung individueller Grenzen sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Teilnahme.
Mögliche Gestaltungs- und Unterstützungsaspekte in der Konfi-Zeit:
Verzicht auf vorschnelle Bewertungen („wirkt doch fit“)
Akzeptanz unterschiedlicher Tagesformen und Belastungsgrenzen
Flexible Teilnahme- und Rückzugsmöglichkeiten
Pausen ermöglichen, ohne dass diese besonders hervorgehoben werden
Verlässliche und klare Kommunikation
Sie brauchen weitere Informationen oder eine Ansprechperson?
Deutsche Fatigue Gesellschaft e. V.
→ Informationen und Unterstützung bei chronischer Erschöpfung (Fatigue, z. B. bei ME/CFS)
Fibromyalgie Verband Deutschland e. V.
→ Selbsthilfe und Austausch bei chronischen Schmerz- und Erschöpfungserkrankungen
MigräneLiga e. V. Deutschland
→ bundesweite Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Migräne
Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e. V.
→ Selbsthilfe und Beratung für Menschen mit chronischen Darmerkrankungen
ACHSE e. V.
→ Dachverband für Menschen mit seltenen Erkrankungen und ihre Angehörigen
Haltung, Verantwortung und gemeinsamer Auftrag
Eine inklusive Konfi-Zeit basiert auf der Überzeugung, dass alle Jugendlichen gleichwertig sind und ein Recht auf Teilhabe haben. Entscheidend ist nicht, was Konfirmand*innen leisten können, sondern welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit sie sich beteiligen, lernen und Gemeinschaft erleben können.
Inklusion betrifft
die Gestaltung der Treffen und Freizeiten,
die Art der Kommunikation und Vermittlung
sowie die Haltung im täglichen Miteinander.
Inklusive Konfi-Zeit bleibt ein lernender Prozess. Sie nimmt Barrieren wahr, spricht sie an und ist bereit, sich weiterzuentwickeln. Wo Konfirmand*innen ihre Bedürfnisse äußern können und andere bereit sind zuzuhören, entsteht Vertrauen und Zugehörigkeit.
Vielfalt wird so nicht als Herausforderung, sondern als selbstverständlicher Teil einer lebendigen, offenen und wertschätzenden Gemeinschaft verstanden.