Marthas mobile Bar – wenn im Alltag Begegnung entsteht
Eigentlich nur schnell einkaufen, einen Nachmittag an der Badestelle verbringen oder über das Dorffest schlendern. Und plötzlich steht da eine mobile Bar, die zum Verweilen und zum Gespräch einlädt. „Marthas mobile Bar“ hat im Sommer 2026 an 13 Orten in Mecklenburg-Vorpommern offene Begegnungsräume auf Zeit geschaffen. Ein Rückblick auf ein Projekt, das zeigt, wie unkompliziert Kirche Menschen zusammenbringen kann.
Begegnung dort, wo Menschen unterwegs sind
Ein kurzer Zwischenstopp, ein Getränk, ein Gespräch – manchmal braucht es nicht viel, damit Menschen miteinander in Kontakt kommen. Genau darauf setzt „Marthas mobile Bar – Begegnung, Schnack, Kultur“.
Die Idee dahinter ist einfach: Wenn Begegnungsorte fehlen, kommen die Begegnungsangebote zu den Menschen. Auf Marktplätze, vor Supermärkte, an Badeseen, auf Dorffeste oder dorthin, wo sich das alltägliche Leben abspielt.
„Wenn es keine Stammtische im Land mehr gibt, bringen wir den Stammtisch zu den Leuten, denn Demokratie braucht Begegnung.“ Dieser Gedanke war Ausgangspunkt für das Projekt, das gemeinsam mit kirchlichen Mitarbeitenden, freiwillig Engagierten und Kooperationspartner*innen entwickelt wurde.
Eine Idee geht auf Reisen
Entstanden ist die Idee im Umfeld eines Runden Tisches zur Landtagswahl. Die Frage, wie Menschen gerade im ländlichen Raum unkompliziert erreicht und miteinander ins Gespräch gebracht werden können, spielte dabei eine zentrale Rolle. Weitere Anregungen lieferte das Buch „Demokratie fehlt Begegnung“ von Rainald Manthe.
Diakon Jörg Stoffregen entwickelte daraufhin gemeinsam mit Kolleg*innen vor Ort ein Konzept, das Kirchengemeinden und anderen Initiativen einen einfachen Rahmen bietet, um Begegnungen zu ermöglichen – auch außerhalb der gewohnten kirchlichen Räume.
Am 23. Juni 2026 wurde „Martha“ im Wasserwerk der Zukunft in Malchin erstmals vorgestellt. Danach ging die mobile Bar auf Tour.
Mal auf dem Marktplatz, mal am Badesee
Insgesamt machte „Martha“ im ersten Sommer an 13 Orten Station und öffnete 22-mal ihre Bar.
Die Orte waren dabei so unterschiedlich wie die Menschen, die dort zusammenkamen. Im Pfarrsprengel Gnoien-Dargun war Martha gleich mehrfach unterwegs: beim Dorffest in Boddin, an der Badestelle am Pannekower See, auf dem Marktplatz in Gnoien, vor einem Familienzentrum oder auf einem Supermarktparkplatz.
Auch in Gielow-Rittermannshagen, Damshagen, Grambow, Gresse und Eggesin entstanden Begegnungsräume auf Zeit. Mal gab es Kaffee und Kuchen, mal Musik, gemeinsame Spiele oder ein Kulturprogramm. Immer ging es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und Zeit miteinander zu verbringen.
Dabei zeigte sich, dass es nicht das eine passende Veranstaltungsformat gibt. Jeder Ort ist anders, jede Gemeinschaft bringt eigene Ideen und Möglichkeiten mit. „Martha“ bot dafür einen Rahmen, der sich flexibel gestalten ließ.
Manchmal braucht es nur eine Einladung
Die Rückmeldungen aus den Kirchengemeinden und von den Beteiligten waren insgesamt positiv. Viele erlebten die mobile Bar als hilfreichen Impuls, um Menschen vor Ort zusammenzubringen. Manche waren überrascht, wie gut die Angebote angenommen wurden.
Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Erfahrungen dieses ersten Sommers: Begegnung muss nicht aufwendig sein. Manchmal reicht es, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen willkommen sind, verweilen können und miteinander ins Gespräch kommen.
Damit das gelingt, braucht es allerdings Menschen, die vor Ort mitmachen, Kontakte knüpfen und die Angebote mitgestalten. Kirchengemeinden, Vereine und freiwillig Engagierte waren deshalb wichtige Partner*innen.
Ebenso wichtig war die Unterstützung durch weitere Kooperationspartner*innen. Durch die Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Agentur Artists MV konnten kulturelle Angebote ermöglicht und Künstler*innen eingebunden werden. Die finanzielle und organisatorische Unterstützung trug dazu bei, dass die Angebote für die Gäste kostenlos waren.
„Martha“ brachte die mobile Bar, die Menschen vor Ort ihre Ideen, ihre Kontakte und ihr Engagement mit. Erst durch dieses Zusammenspiel entstanden die vielfältigen Begegnungsorte, die den ersten Sommer so besonders gemacht haben.
Begegnungen mitten im Leben
„Marthas mobile Bar“ zeigt, wie Kirche neue Wege gehen und Menschen außerhalb ihrer vertrauten Räume erreichen kann. Nicht die Menschen müssen zu einem kirchlichen Angebot kommen, sondern das Angebot kommt zu ihnen.
So entstehen Gelegenheiten, bei denen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Erfahrungen und Perspektiven ganz selbstverständlich zusammenkommen können. Ohne besondere Voraussetzungen, ohne feste Zugehörigkeit und ohne die Erwartung, an einem bestimmten Programm teilnehmen zu müssen.
Gerade in ländlichen Regionen, in denen öffentliche Treffpunkte vielerorts weniger werden oder ganz fehlen, können solche Begegnungsräume das gesellschaftliche Miteinander stärken. Sie bieten Gelegenheit, einander kennenzulernen, unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen und miteinander im Gespräch zu bleiben.
Martha kommt wieder!
Nach den positiven Erfahrungen des ersten Sommers soll „Martha“ auch 2027 wieder unterwegs sein. Das Material wird ergänzt und aus den bisherigen Erfahrungen sollen konkrete Ideen für unterschiedliche Veranstaltungsformate entstehen. So können Kirchengemeinden und andere Interessierte künftig noch leichter eigene Begegnungsangebote gestalten.
Das Grundkonzept bleibt: eine mobile Bar, die zu den Menschen kommt und gemeinsam mit den Engagierten vor Ort Räume für Begegnungen schafft.
Denn nicht jede Begegnung lässt sich planen. Aber gemeinsam können wir Orte schaffen, an denen sie möglich wird. „Marthas mobile Bar“ hat im ersten Sommer gezeigt, wie das mit einfachen Mitteln gelingen kann – mitten im Alltag und dort, wo Menschen unterwegs sind.