Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“ Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“

Willkommen – aber komme ich auch rein?

Barrierearme Zugänge zu Kirche beginnen lange vor der Kirchentür

Wer an Barrieren denkt, denkt häufig zuerst an die Stufe vor der Kirchentür. Doch die Frage, ob Menschen „reinkommen“, beginnt nicht erst am Eingang – und sie endet dort auch nicht.

Ein Gottesdienst, ein Gemeindefest, eine Bildungsveranstaltung oder ein Beratungsangebot kann offen für alle sein – und trotzdem für manche Menschen schwer zugänglich. Vielleicht fehlen wichtige Informationen. Die Anmeldung ist kompliziert. Der Veranstaltungsort ist schwer erreichbar. Oder erst während der Veranstaltung zeigt sich, dass jemand nicht gut hören, sehen, verstehen oder sich zurückziehen kann.

Barrieren können an vielen Stellen entstehen. Deshalb lohnt es sich, den gesamten Weg zu betrachten: vom ersten Interesse bis zur tatsächlichen Teilnahme.

Finde ich das Angebot?

Zugang beginnt mit Information. Wo erfahren Menschen von einem Angebot? Ist die Internetseite gut auffindbar und barrierearm gestaltet? Sind die Informationen verständlich formuliert? Finden Menschen dort auch die Informationen, die sie brauchen, um ihre Teilnahme planen zu können? Dazu gehört zum Beispiel die Information, ob ein Zugang stufenlos ist, eine Höranlage zur Verfügung steht, eine barrierearme Toilette vorhanden ist oder es Möglichkeiten zum Rückzug gibt.

Solche Informationen sind kein nebensächlicher Service. Sie ermöglichen Menschen, selbst zu entscheiden, was sie für ihre Teilnahme brauchen und ob die Bedingungen vor Ort für sie passen.

Auch wenn noch nicht alles barrierearm ist, hilft deshalb Offenheit. Eine vorhandene Barriere zu benennen ist besser, als Menschen erst vor Ort damit zu überraschen.

Welche Informationen wichtig sind, wissen dabei die Menschen am besten, die sie benötigen. Deshalb lohnt es sich auch hier, Menschen mit Behinderungen einzubeziehen und zu fragen: Welche Informationen brauchen Sie, um entscheiden und planen zu können?

💡Praxistipp der Fachstelle Kirche Inklusiv:
Unsere Piktogramme können dabei unterstützen, Informationen zur Barrierearmut leicht auffindbar und auf einen Blick erkennbar zu machen.

Hier finden Sie die Piktogramme (öffnet eine neue Webseite)

Kann ich mich anmelden?

Manchmal liegt die erste Barriere schon zwischen Einladung und Veranstaltung. Eine Anmeldung ausschließlich per Telefon kann beispielsweise für manche Menschen schwierig sein. Ein kompliziertes Onlineformular für andere. Unterschiedliche Kontakt- und Anmeldemöglichkeiten helfen deshalb, Zugänge zu eröffnen.

Bei der Anmeldung kann außerdem eine einfache Frage viel bewirken:

„Was brauchen Sie, damit Sie gut teilnehmen können?“

Veranstaltende müssen nicht alle möglichen Bedarfe im Voraus kennen. Entscheidend ist zunächst die Bereitschaft zuzuhören. Menschen wissen selbst am besten, was sie brauchen und was ihnen eine gute Teilnahme ermöglicht. Es geht deshalb weniger darum, für andere eine vermeintlich passende Lösung zu finden, sondern mit ihnen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

💡Praxistipp der Fachstelle Kirche Inklusiv:
Unsere Fragenbox kann dabei helfen, solche Gespräche anzuregen und miteinander herauszufinden, was Menschen für eine gute Teilnahme brauchen.

Hier finden Sie die Fragenbox (öffnet eine neue Webseite)

Komme ich zum Veranstaltungsort – und hinein?

Spätestens hier kommt die bekannte Stufe vor der Kirchentür ins Spiel. Stufen, schwere Türen, fehlende Aufzüge oder nicht zugängliche Toiletten können die Teilnahme erschweren oder unmöglich machen. Auch die Erreichbarkeit des Veranstaltungsortes und barrierearme Wege gehören deshalb zum Blick auf den Zugang.

Doch „hineinkommen“ bedeutet noch mehr. Ist der Eingang leicht zu finden? Gibt es eine verständliche Orientierung? Sind Wege gut erkennbar? Finden sich auch Menschen zurecht, die zum ersten Mal kommen?

Eine gute Orientierung hilft vielen Menschen – und manchmal sind es kleine Veränderungen, die einen großen Unterschied machen.

Kann ich vor Ort gut teilnehmen?

Wer den Raum erreicht hat, ist noch nicht automatisch mittendrin. Vielleicht ist die Akustik schwierig. Eine sprechende Person ist nicht gut zu sehen. Informationen werden nur mündlich vermittelt oder Schrift und Präsentationen sind schlecht erkennbar. Vielleicht ist die verwendete Sprache unnötig kompliziert.

Das Zwei-Sinne-Prinzip kann eine hilfreiche Orientierung sein: Wichtige Informationen sollten möglichst über mindestens zwei Sinne wahrnehmbar sein. Gesprochene Informationen können beispielsweise zusätzlich schriftlich oder visuell angeboten werden.

Auch die Raumgestaltung kann Teilhabe erleichtern oder erschweren. Können Menschen unterschiedliche Sitzplätze wählen? Gibt es ausreichend Platz für Hilfsmittel, Assistenz oder einen Assistenzhund? Sind wichtige Wege frei und gut erkennbar?

Barrierearme Gestaltung bedeutet dabei nicht, für jede Person dieselbe Lösung zu finden. Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Entscheidend ist, verschiedene Zugänge mitzudenken – und die Menschen selbst zu fragen, was für sie hilfreich ist.

Gibt es auch Raum für eine Pause?

Nicht jede Barriere ist sichtbar. Menschen mit chronischen Erkrankungen, psychischen Belastungen oder Erkrankungen, Neurodivergenz oder anderen nicht sichtbaren Beeinträchtigungen können unterschiedliche Bedingungen benötigen, um gut teilnehmen zu können.

Manche Menschen brauchen häufiger Pausen. Andere benötigen zeitweise einen ruhigen Ort. Helles Licht, viele Geräusche, viele Menschen oder ein eng getakteter Ablauf können belastend sein. Pausen, Rückzugsmöglichkeiten und Informationen über den Ablauf können deshalb ebenso zur Barrierearmut beitragen wie eine Rampe oder eine Höranlage.

Und nicht alles muss begründet oder erklärt werden. Menschen wissen selbst am besten, was sie brauchen.

Barrieren schon bei der Planung mitdenken

Viele Barrieren lassen sich leichter vermeiden, wenn sie nicht erst während einer Veranstaltung auffallen.

Deshalb lohnt es sich, schon bei der Planung unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen:

  • Wie kommen Menschen zu uns?

  • Welche Informationen brauchen sie vorher?

  • Wie können sie sich orientieren?

  • Was brauchen sie, um während der Veranstaltung gut teilnehmen zu können?

Die besten Antworten darauf geben oft die Menschen, um die es geht.

Menschen mit Behinderungen bringen eigene Erfahrungen und Wissen darüber mit, welche Barrieren ihnen begegnen und was Teilhabe erleichtert. Deshalb sollten sie möglichst von Anfang an einbezogen werden – nicht erst dann, wenn eine fertige Planung auf Barrieren überprüft werden soll.

Dabei lohnt sich zuerst der Blick in die eigene Gemeinde oder Einrichtung: Wer ist schon da? Wen können wir fragen? Wessen Erfahrungen und Wissen können wir einbeziehen? Und wenn bestimmte Perspektiven fehlen, kann es sinnvoll sein, Menschen oder Organisationen von außen einzubeziehen.

So wird Barrierearmut nicht nur für, sondern mit Menschen mit Behinderungen entwickelt.

💡Praxistipp der Fachstelle Kirche Inklusiv:
Unsere Checklisten können anschließend dabei unterstützen, unterschiedliche Bereiche systematisch in den Blick zu nehmen und bei der Planung mögliche Barrieren nicht zu übersehen.

Hier finden Sie unsere Checklisten (öffnet eine neue Webseite)

Nicht alles geht sofort

Viele Kirchengemeinden kennen die Realität: Gebäude sind alt, finanzielle Mittel begrenzt und nicht jede Veränderung lässt sich kurzfristig umsetzen. Das bedeutet aber nicht, dass erst einmal gar nichts geschehen kann.

Manche Barrieren lassen sich mit einfachen Mitteln verringern. Andere brauchen Zeit, Geld und Planung. Und manche können zunächst nicht beseitigt werden. Entscheidend ist, sie wahrzunehmen, transparent zu benennen und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen. Vielleicht gibt es einen anderen Eingang. Vielleicht kann eine Veranstaltung in einen besser zugänglichen Raum verlegt werden. Vielleicht lässt sich Unterstützung organisieren.

Barriereärmer zu werden ist kein Zustand, den eine Gemeinde irgendwann endgültig erreicht. Es ist ein Weg.

💡Das Team der Fachstelle Kirche Inklusiv berät und begleitet Kirchengemeinden, Einrichtungen und kirchliche Akteur*innen dabei, Barrieren wahrzunehmen, Zugänge zu eröffnen und passende Lösungen zu entwickeln.

Hier finden Sie die Kontaktdaten (öffnet ein neue Webseite)

Willkommen heißt mehr als eine offene Tür

Kirche möchte ein Ort sein, an dem Menschen willkommen sind. Dieses Willkommen zeigt sich nicht allein in Worten. Es zeigt sich auch darin, ob Menschen Informationen finden und verstehen können. Ob sie wissen, was sie erwartet. Ob sie einen Ort erreichen und sich dort orientieren können. Ob unterschiedliche Bedürfnisse selbstverständlich mitgedacht werden. Und ob wir bereit sind, Barrieren gemeinsam zu verändern.

Vielleicht beginnt eine barriereärmere Kirche deshalb mit einer einfachen Frage: Was braucht es, damit Menschen nicht nur eingeladen sind, sondern tatsächlich kommen und teilnehmen können?

Und die Antwort darauf sollten wir nicht allein geben. Wir sollten die Menschen fragen, die Barrieren erleben. Doch auch das ist erst der Anfang. Denn wer hineinkommt und dabei sein kann, möchte nicht unbedingt nur Gast bleiben.

Eine inklusive Kirche fragt deshalb weiter: Wer kann mitreden? Wer kann mitentscheiden? Und wer kann Kirche mitgestalten?

Die vielfältigen Recherchen für die Reihe "Kirche ohne Barrieren" hat Maret Zedler (FÖJ bei der Infostelle Klimagerechtigkeit) durchgeführt.

Auf dem Bild ist die FÖJlerin Maret Zedler zu sehen, sie hat braune, halblange Haare und lächelt in die Kamera. Maret trägt eine rote Winterjacke, im Hintergrund ist eine schneebedeckte Landschaft zu sehen.