Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“ Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“

Sprache, die alle verstehen: Leichte und Einfache Sprache in der Kirche

Kirche lebt von Kommunikation. Wir erzählen Geschichten aus der Bibel, feiern Gottesdienste und laden zu Veranstaltungen ein. Wir beraten und begleiten Menschen. Wir informieren über Entscheidungen und diskutieren in Gremien.

Doch nicht immer ist unsere Sprache für alle Menschen verständlich.

Lange Sätze, Fremdwörter und Fachbegriffe können Barrieren sein. Das gilt auch für kirchliche Sprache. Begriffe wie Rechtfertigung, Verkündigung oder Gnade sind für viele Menschen nicht selbstverständlich verständlich. Dabei ist Verstehen eine wichtige Voraussetzung für Teilhabe.

Wer mitreden und mitentscheiden soll, muss verstehen können, worum es geht.
Wer selbst entscheiden soll, braucht verständliche Informationen.

Verständliche Sprache gehört deshalb zu einer inklusiven Kirche.

Sprache kann eine Barriere sein

Bei Barrierefreiheit denken viele Menschen zuerst an Gebäude: Gibt es Stufen? Ist ein Raum mit dem Rollstuhl erreichbar? Gibt es eine barrierefreie Toilette?

Aber auch Sprache kann Menschen den Zugang erschweren.

Menschen können bei einer Veranstaltung dabei sein und trotzdem nicht verstehen, worum es geht. Eine Internetseite kann technisch barrierefrei sein und trotzdem Texte enthalten, die schwer zu verstehen sind. Und eine Einladung erreicht ihr Ziel nicht, wenn Menschen nicht verstehen, wozu sie eingeladen werden.

Das betrifft viele Bereiche in der Kirche: Internetseiten und Gemeindebriefe, Einladungen und Formulare, Gottesdienste und Predigten, Seelsorge und Bildungsangebote. Auch Informationen und Vorlagen für kirchliche Gremien gehören dazu. Verständliche Sprache kann Zugänge öffnen.

Leichte Sprache und Einfache Sprache

Leichte Sprache und Einfache Sprache machen Informationen leichter verständlich. Trotzdem sind sie nicht dasselbe.

Leichte Sprache richtet sich besonders an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie kann aber auch für andere Menschen hilfreich sein. Für Leichte Sprache gibt es verschiedene Regelwerke. Seit 2025 gibt es mit der DIN SPEC 33429 gemeinsame Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache.

Dabei geht es nicht nur um kurze Sätze und einfache Wörter. Auch der Aufbau eines Textes und seine Gestaltung sind wichtig. Menschen aus der Zielgruppe sollen an der Prüfung der Texte beteiligt werden.

Einfache Sprache richtet sich an eine größere Gruppe von Menschen. Sie kann zum Beispiel Menschen helfen, die Schwierigkeiten mit komplizierten Texten haben. Sie kann für Menschen hilfreich sein, die noch nicht so gut Deutsch sprechen oder wenig lesen. Und sie kann helfen, wenn ein Thema neu oder besonders kompliziert ist.

Auch für Einfache Sprache gibt es inzwischen fachliche Standards.

Welche Form passend ist, hängt deshalb von einer wichtigen Frage ab:
Für wen ist die Information bestimmt?

Verständlich heißt nicht anspruchslos

Manchmal gibt es die Sorge: Wenn wir einen Text einfacher schreiben, geht etwas von seinem Inhalt verloren.

Doch komplizierte Sprache macht einen Gedanken nicht automatisch besser oder wichtiger. Und verständliche Sprache macht einen Gedanken nicht weniger wertvoll.

Leichte oder Einfache Sprache bedeutet auch nicht, Menschen weniger zuzutrauen.

Im Gegenteil: Verständliche Informationen helfen Menschen dabei, selbst zu verstehen, zu entscheiden und zu handeln.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Es geht nicht darum, Inhalte für bestimmte Menschen „kleiner“ zu machen. Es geht darum, Barrieren in unserer Kommunikation abzubauen.

Auch Glaube darf verständlich sein

Gerade in der Kirche verwenden wir viele besondere Wörter. Manche dieser Wörter haben eine lange Geschichte und eine wichtige Bedeutung.

Deshalb müssen wir sie nicht einfach weglassen.

Aber wir können erklären, was sie bedeuten.

·       Was meinen wir mit Gnade?

·       Was ist ein Segen?

·       Warum feiern wir Pfingsten?

·       Was meinen wir, wenn wir von Auferstehung sprechen?

Manchmal braucht es dafür andere Wörter. Manchmal hilft ein Beispiel oder ein Bild. Und manchmal stellen wir fest: Diesen komplizierten Begriff brauchen wir gar nicht.

Verständlichkeit und theologische Tiefe sind keine Gegensätze.

Im Gegenteil: Wer etwas verständlich erklären möchte, muss sich selbst sehr genau fragen: Was möchte ich eigentlich sagen? Das kann auch unserer kirchlichen Sprache guttun.

Nicht alles muss in Leichter Sprache sein

Eine inklusive Kirche braucht nicht eine einzige Sprachform für alle Menschen.

Ein theologischer Fachtext darf anders klingen als eine Einladung zum Gemeindefest. Eine Predigt ist etwas anderes als ein Formular. Und Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Deshalb muss auch nicht jeder kirchliche Text in Leichter Sprache geschrieben werden.

Manchmal ist Einfache Sprache passend. Manchmal braucht es Leichte Sprache. Und manchmal ist es sinnvoll, dieselbe Information in verschiedenen Sprachformen anzubieten.

Entscheidend ist, dass wir nicht nur von unserer eigenen Sprache ausgehen.

Wir sollten uns fragen:

·       Wen möchten wir erreichen?

·       Und was brauchen diese Menschen, damit sie unsere Informationen verstehen und nutzen können?

Verstehen ermöglicht Mitbestimmung

Verständliche Sprache ist besonders wichtig, wenn Menschen mitreden, mitentscheiden und mitgestalten sollen.

Das gilt zum Beispiel für Gemeindeversammlungen, Beiräte, Kirchengemeinderäte und Synoden. Es gilt aber auch für Beteiligungsprozesse in Gemeinden und Einrichtungen.

Wer eine Vorlage nicht versteht, kann nur schwer eine eigene Meinung dazu entwickeln. Wer Informationen über eine geplante Veränderung nicht versteht, kann sich nur schwer an der Diskussion beteiligen.

Deshalb hat verständliche Sprache auch mit Macht zu tun.

·       Wer versteht unsere Sprache?

·       Wer kann mitreden und mitentscheiden?

·       Und wer bleibt außen vor, weil unsere Kommunikation zu kompliziert ist?

Eine inklusive Kirche muss sich diese Fragen stellen.

Verständliche Sprache hilft vielen Menschen

Nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren von verständlicher Sprache.
Auch Menschen, die Deutsch lernen, Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen oder ältere Menschen können verständliche Informationen brauchen. Und wahrscheinlich kennen viele von uns Situationen, in denen wir selbst froh über klare Informationen sind. Wenn wir uns mit einem Thema nicht auskennen, wenn wir wenig Zeit haben oder wenn uns etwas belastet, fällt es oft schwerer, komplizierte Texte zu verstehen.

Verständliche Sprache ist deshalb für viele Menschen hilfreich.

Und sie kann für einige Menschen eine wichtige Voraussetzung dafür sein, überhaupt teilhaben zu können.

Nicht für Menschen, sondern mit ihnen

Wir können uns viel Mühe geben, einen Text verständlich zu schreiben. Trotzdem wissen wir nicht automatisch, was für andere Menschen verständlich ist.

Deshalb ist es besonders bei Leichter Sprache wichtig, Menschen aus der Zielgruppe einzubeziehen.
Sie können sagen: Welches Wort ist schwierig? Wo fehlt eine Erklärung? Welcher Satz ist nicht eindeutig?

Damit verändert sich etwas Grundsätzliches.
Menschen mit Lernschwierigkeiten sind dann nicht nur die Empfänger*innen von Informationen.
Ihre Erfahrungen und ihr Wissen werden gebraucht, damit gute und verständliche Texte entstehen.

Das ist Teilhabe und Teilgabe.

Sprache kann Zugänge öffnen

Sprache kann Menschen ausschließen. Sie kann aber auch Zugänge schaffen.
Eine inklusive Kirche sollte deshalb immer wieder auf ihre eigene Sprache schauen.
Nicht alle Texte müssen gleich klingen. Nicht alle Menschen brauchen dieselbe Sprachform.
Und nicht jedes komplizierte Thema lässt sich ganz einfach erklären.

Aber wir können uns immer wieder fragen:

·       Für wen sprechen oder schreiben wir?

·       Was müssen Menschen wissen?

·       Können sie unsere Informationen verstehen und nutzen?

·       Und brauchen manche Menschen einen anderen Zugang?

Verständliche Sprache beginnt vielleicht genau dort: bei den Menschen, die wir erreichen möchten.