Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“ Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“

„Nichts über uns ohne uns“ – Beteiligung beginnt mit Zuhören

Wer entscheidet eigentlich, was Menschen mit Behinderungen brauchen?

Lange Zeit haben häufig andere diese Entscheidungen getroffen – Eltern, Fachleute, Behörden oder Einrichtungen. Oft geschah das mit guten Absichten. Doch dabei blieb die wichtigste Stimme manchmal ungehört: die der Menschen selbst.

Genau hier setzt der Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“ an. Er ist einer der wichtigsten Leitgedanken der internationalen Behindertenrechtsbewegung und prägt auch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK).

Der Satz erinnert daran: Beteiligung beginnt mit Zuhören.

Menschen mit Behinderungen sind Expert*innen in eigener Sache

Jeder Mensch kennt sein eigenes Leben am besten. Menschen mit Behinderungen wissen selbst, wo Barrieren entstehen, welche Unterstützung sie benötigen und was sich verändern muss. Deshalb spricht man auch von Selbstvertretung: Menschen setzen sich selbst für ihre Rechte und Interessen ein und gestalten Veränderungen aktiv mit.

Dieser Perspektivwechsel ist ein zentrales Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention. Menschen mit Behinderungen sind nicht Objekte von Fürsorge oder Versorgung. Sie sind Trägerinnen und Träger eigener Rechte. Ihre Erfahrungen und ihre Sichtweisen sind unverzichtbar, wenn es darum geht, eine inklusive Gesellschaft zu gestalten.

Beteiligung ist ein Menschenrecht

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, dass Menschen mit Behinderungen an allen Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen. Das gilt für politische Entscheidungen ebenso wie für die Gestaltung von Schulen, Arbeitsplätzen, Freizeitangeboten oder öffentlichen Gebäuden.

Beteiligung bedeutet dabei mehr, als nach einer fertigen Planung um eine Meinung zu bitten. Sie beginnt dort, wo Ideen entstehen. Menschen mit Behinderungen sollen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Perspektiven von Anfang an einbringen können. Denn nur so entstehen Entscheidungen, die den tatsächlichen Bedürfnissen gerecht werden.

Beteiligung braucht gute Rahmenbedingungen

Damit Beteiligung wirklich gelingt, müssen Barrieren abgebaut werden. Informationen müssen verständlich sein. Räume und Veranstaltungen müssen zugänglich sein. Manche Menschen benötigen Assistenz, Gebärdensprachdolmetschung oder mehr Zeit, um ihre Meinung einzubringen.

Beteiligung geschieht deshalb nicht von selbst. Sie braucht eine bewusste Gestaltung und die Bereitschaft, unterschiedliche Bedürfnisse mitzudenken. Erst dann können Menschen ihre Rechte tatsächlich wahrnehmen und ihre Erfahrungen einbringen.

Was bedeutet das für unser kirchliches Miteinander?

Wenn wir Kirche inklusiv gestalten möchten, lohnt sich die Frage:
Entwickeln wir Angebote für Menschen mit Behinderungen – oder gestalten wir Kirche gemeinsam mit ihnen?

Inklusion beginnt nicht erst beim Abbau von Barrieren. Sie beginnt dort, wo wir Menschen mit Behinderungen von Anfang an beteiligen und ihre Erfahrungen, Perspektiven und Begabungen einbeziehen. Das kann bei der Planung eines Gottesdienstes beginnen und bis zur Mitarbeit in Ausschüssen, Projekten oder Leitungsaufgaben reichen.

Vielleicht beginnt Inklusion daher sogar mit der einfachen Frage: Wen haben wir bisher noch nicht gefragt?

Beteiligung beginnt mit Zuhören

Zuhören heißt mehr, als Worte zu hören. Es bedeutet, Erfahrungen ernst zu nehmen, Perspektiven zu verstehen und bereit zu sein, sich von ihnen verändern zu lassen.

Genau darin liegt der Kern des Grundsatzes „Nichts über uns ohne uns“. Inklusion bedeutet nicht, für andere zu entscheiden. Sie bedeutet, Entscheidungen gemeinsam zu entwickeln.

Auch das christliche Menschenbild weist in diese Richtung. In den biblischen Geschichten begegnet Jesus Menschen nicht als Objekten seiner Fürsorge. Er spricht sie an, hört ihnen zu, fragt nach ihren Wünschen und nimmt sie ernst. Aus dieser Haltung entsteht Gemeinschaft auf Augenhöhe.

Eine inklusive Kirche wächst dort, wo Menschen nicht nur willkommen sind, sondern ihre Erfahrungen, ihre Gaben und ihre Perspektiven selbstverständlich einbringen können. Denn: Beteiligung beginnt mit Zuhören.

💡 Zum Weiterdenken

Bei der nächsten Planung eines Gottesdienstes, einer Veranstaltung oder eines Projekts können diese Fragen helfen:

  • Haben wir Menschen mit Behinderungen von Anfang an beteiligt?

  • Wen haben wir bisher noch nicht gefragt?

  • Welche Barrieren könnten einer Beteiligung im Weg stehen?

  • Was brauchen Menschen, damit sie ihre Erfahrungen, Ideen und Gaben einbringen können?

Die vielfältigen Recherchen für die Reihe "Kirche ohne Barrieren" hat Maret Zedler (FÖJ bei der Infostelle Klimagerechtigkeit) durchgeführt.

Auf dem Bild ist die FÖJlerin Maret Zedler zu sehen, sie hat braune, halblange Haare und lächelt in die Kamera. Maret trägt eine rote Winterjacke, im Hintergrund ist eine schneebedeckte Landschaft zu sehen.

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