Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“ Auf dem Bild ist das Logo der Vereinten Nationen zu sehen: Das Design zeigt “eine Karte der Welt mit einer azimutalen gleich weit entfernten Projektion zentriert am Nordpol, umrahmt von einem Kranz aus herkömmlichen Zweigen des Olivenbaums. Die Kontinente und die Zweige sind hier in der Farbe weiß auf einem blauen Hintergrund dargestellt.Die Projektion der Karte erstreckt sich auf 60 Grad südlicher Länge und schließt fünf konzentrische Kreise ein.“

Inklusive Kirche gestalten – vom Anspruch zum Handeln

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) macht deutlich: Menschen mit Behinderungen haben das Recht, gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dieses Recht gilt auch für das Leben in Kirche und Diakonie.

In den bisherigen Artikeln unserer Reihe haben wir darauf geschaut, was die UN-BRK fordert und wo Deutschland heute auf dem Weg zu mehr Inklusion steht. Doch was bedeutet das für Kirche? Wie kann aus dem Recht auf Teilhabe eine inklusive kirchliche Praxis werden?

Menschenrecht und christlicher Auftrag

Inklusion ist ein Menschenrecht. Die UN-Behindertenrechtskonvention konkretisiert die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen und verpflichtet dazu, Diskriminierung abzubauen und gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.

Für Kirche und Diakonie kommt eine weitere Perspektive hinzu: Inklusion entspricht auch dem christlichen Menschenbild. Jeder Mensch besitzt die gleiche und unverlierbare Würde. Menschen sind verschieden – mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen, Bedürfnissen und Lebensgeschichten. Diese Vielfalt gehört zum Menschsein.

Eine inklusive Kirche fragt deshalb nicht zuerst danach, wie einzelne Menschen in bestehende Strukturen hineinpassen können. Sie fragt: Wie müssen wir unsere Strukturen, Angebote und unser Miteinander gestalten, damit unterschiedliche Menschen selbstverständlich dazugehören können?

Inklusion ist mehr als Barrierefreiheit

Bei Barrierefreiheit denken viele zunächst an Rampen, Aufzüge oder barrierefreie Toiletten. Doch Barrieren können an ganz unterschiedlichen Stellen entstehen.

Eine komplizierte Sprache kann Menschen ausschließen. Fehlende Gebärdensprache oder eine schlechte Akustik können die Teilnahme erschweren. Digitale Angebote können unzugänglich sein. Auch feste Abläufe, Einstellungen oder Vorstellungen davon, was „normal“ ist, können zu Barrieren werden.

Deshalb betrifft Inklusion alle Bereiche kirchlichen Lebens: Gottesdienste und Veranstaltungen, Bildung und Konfi-Zeit, Seelsorge und Beratung, Kommunikation und digitale Angebote, Arbeitsplätze sowie die Mitarbeit in Gruppen und kirchlichen Gremien.

Teilhabe und Teilgabe gehören zusammen

Inklusive Kirche bedeutet aber mehr, als Menschen den Zugang zu bestehenden Angeboten zu ermöglichen.

Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten, Ideen und Perspektiven mit. Sie sollen deshalb nicht nur teilnehmen können, sondern Kirche auch mitgestalten.

Das bedeutet auch: Wenn wir Barrieren erkennen und abbauen wollen, müssen wir mit den Menschen sprechen, die diese Barrieren erleben. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wo Barrieren entstehen und was sich verändern muss. Deshalb müssen sie an Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen.

Aktionspläne: Inklusion konkret und verbindlich gestalten

Eine inklusive Haltung ist wichtig. Doch Haltung allein baut noch keine Barrieren ab. Damit Inklusion dauerhaft gelingt, braucht es auch konkrete Ziele, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie Deutschland haben deshalb den Orientierungsrahmen „Inklusion gestalten – Aktionspläne entwickeln“ veröffentlicht. Er unterstützt Verantwortliche dabei, eigene Aktionspläne für mehr Inklusion zu entwickeln.

Ein solcher Aktionsplan hilft, systematisch hinzuschauen:

  • Wo bestehen bei uns Barrieren?

  • Was wollen wir verändern?

  • Welche konkreten Schritte sind dafür notwendig?

  • Wer übernimmt Verantwortung?

  • Wie beteiligen wir Menschen mit Behinderungen?

  • Woran erkennen wir, ob unsere Maßnahmen erfolgreich sind?

  • Wann überprüfen und aktualisieren wir unseren Aktionsplan?

Der Orientierungsrahmen bietet dafür Hintergrundinformationen und Vorschläge für Ziele und konkrete Maßnahmen. Außerdem enthält er Checklisten, Praxisbeispiele und Hilfen für die Entwicklung und Überprüfung eines eigenen Aktionsplans.

Damit kann er auch für Verantwortliche in Kirchenkreisen, Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen ein praktisches Werkzeug sein. Inklusion bleibt so nicht bei einer guten Absicht stehen, sondern wird zu einem geplanten und überprüfbaren Entwicklungsprozess.

Zum Orientierungsrahmen „Inklusion gestalten – Aktionspläne entwickeln“ von EKD und Diakonie Deutschland

Schritt für Schritt inklusiver werden

Nicht jede Barriere lässt sich sofort beseitigen. Manchmal fehlen finanzielle Mittel, manchmal geeignete Räume oder technische Möglichkeiten. Und manchmal erkennen wir Barrieren erst, wenn Menschen uns darauf aufmerksam machen.

Entscheidend ist deshalb nicht, von heute auf morgen eine vollkommen barrierefreie und inklusive Kirche zu schaffen.

Entscheidend ist, sich auf den Weg zu machen.

Inklusion ist ein fortlaufender Prozess: Barrieren wahrnehmen, Menschen beteiligen, Lösungen suchen, ausprobieren, überprüfen und weiterentwickeln.

Dabei bedeutet Inklusion nicht, dass alle Menschen überall teilnehmen müssen. Vielmehr geht es darum, Zugänge und Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Menschen sollen selbst entscheiden können, wo und wie sie teilhaben und sich einbringen möchten.

Gemeinsam Kirche inklusiv gestalten

Für unsere Arbeit in der Fachstelle Kirche Inklusiv der Nordkirche stehen drei Leitgedanken im Mittelpunkt:

Bewusstsein bilden – Zugänge eröffnen – Teilhabe und Teilgabe für alle.

Wir möchten dazu beitragen, Vielfalt wahrzunehmen, Barrieren zu erkennen und gemeinsam Wege zu finden, sie abzubauen. Dabei geht es um Zugänge zu Gebäuden und Informationen genauso wie um Zugänge zu Angeboten, Gemeinschaft und Mitgestaltung.

Uns ist wichtig, Menschen nicht nur einzuladen, sondern ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, Kirche mit ihren Gaben, Erfahrungen und Perspektiven mitzugestalten. Denn inklusive Kirche entsteht nicht für Menschen, sondern gemeinsam mit ihnen.

Dabei wissen wir: Inklusive Kirche ist kein fertiger Zustand. Auch wir lernen immer wieder dazu. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam zu fragen:

Wer ist schon dabei?
Wer fehlt noch?
Welche Barrieren stehen im Weg?
Und was können wir gemeinsam verändern?

Gerne begleiten wir Kirchengemeinden, Kirchenkreise und kirchliche Einrichtungen dabei, ihre eigenen Antworten auf diese Fragen zu finden und konkrete Schritte auf dem Weg zu mehr Inklusion zu gehen. Nehmen Sie gerne Kontakt auf!

Hier finden Sie die Kontaktdaten der Fachstelle Kirche Inklusiv (öffnet ein neues Fenster)

Die vielfältigen Recherchen für die Reihe "Kirche ohne Barrieren" hat Maret Zedler (FÖJ bei der Infostelle Klimagerechtigkeit) durchgeführt.

Auf dem Bild ist die FÖJlerin Maret Zedler zu sehen, sie hat braune, halblange Haare und lächelt in die Kamera. Maret trägt eine rote Winterjacke, im Hintergrund ist eine schneebedeckte Landschaft zu sehen.